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Brad kam am Abend gegen halb neun zum Georges Haus. Während Angie schlief, rief er seinen Freund an, sagte ihm, dass es nicht notwendig sei, für ihn eine Beschäftigung zu erfinden. Er ist sehr beschäftigt, so sehr sogar, dass er es nicht einmal schafft, bis zum Abendbrot zurück zu kommen. Wie? Es sei kein Problem, auf dem Programm stünde sowieso Märchenerzählen? Gut. Er bemüht sich, rechtzeitig anzukommen, damit er gleich nach dem Märchenerzählen seine Kids zusammenpacken kann. Falls es ihm doch nicht gelingen sollte, könnte George sie ins Bett bringen? Nein, er ist nicht aufgeregt. Und er beeilt sich, so sehr er nur kann. Und es tut ihm leid.
        Er hatte einen Schlüssel zum Haus. Er ging leise hinein, damit er die Kinder, falls diese schon schlafen sollte, nicht stört. Er stieg die Treppe hinauf, dass er sich festhalten musste. Er schob sich beinahe von Stufe zu Stufe hinauf. Er fühlte sich sehr alt. Unglücklich sein macht alt. Er hoffte sehr, dass die Kids schon schlafen. Er sehnte sich nach Ruhe. Er legt sich in einem der Gästezimmer hin, und steht nie wieder auf. Er bedauerte sich selber. Und diesmal hasste er sich nicht dafür, wie früher. Er stieg hinauf, langsam, wie ein alter Mann, dann hörte er Lachen. Gelächter, vom Herzen kommend, glänzend. Es schien, als der Korridor davon heller wurde. Er schlich sich zu dem Zimmer, aus welchem die unerwarteten Töne kamen. Inzwischen hörte er auch seine Kids lachen. Er schaute hinein. Er verstand es nicht, warum er da nicht hineingeht, er blieb jedoch draußen und schaute nur hinein.
 
Auf dem Bett saß Carmi. Ihr Gesicht war voll Leben, voll Glanz. Sie sah ganz anders aus, als beim Fernsehinterview. Sie war leicht errötet, sie hampelte mit ihren Füßen und lachte aus vollem Munde. Die drei Kinder waren um ihr herum, sie balgten sich. Carmi versuchte ihre beiden Arme zu schließen, die Kinder hingen jedoch an diesen und zerrten sie auseinander. Inzwischen kitzelten sie, wo sie nur an sie herankamen, damit sie ihre Arme vor Lachen nicht schließen kann. Carmi stöhnte, wie jemand, der aus voller Kraft kämpft, sie schnitt Fratzen und klimperte mit ihren Beinen. Ihre Hülle rutschte über ihre Knie hinauf, sie machte dennoch weiter und lachte kreischend, mit einem hellen, fröhlichen, ansteckenden Lachen, denn Max kitzelte bereits ihre Achselhöhle…
        Brad schaute diese Szene mit starren Augen zu. George ebenfalls. Er saß da in einem Sessel und starrte ebenfalls. Sie beide starrte auf die kleinen Füße und auf dem glänzenden Gesicht…Es war zum Rasendwerden! George war mächtig bemüht, sich zurückzuhalten, hauptsächlich um nicht auf die kleinen Füße zu starren. Wenn die lachende Dame ihn dabei ertappen sollte, wird sie ihn dafür mächtig ärgern…Dann kommt wieder ihr Text vom tausendzweiten Weibstück sowie von großkotzige Kerle, die Blödsinn dahinreden. Er drehte seinen Kopf schnell zur Seite und erblickte Brad. Er merkte auch, wie er dahinstarrte. Er freute sich darüber, als hätte er eine Bestätigung bekommen. Dass der Hase tatsächlich berückend sei! Seine Augenbrauen zog er fragend hinauf, Brad aber schüttelte nur mit dem Kopf, als sagte er, sage kein Wort, Kumpel. George nickte ihm zu. Alles klar. Brad zog sich zurück, stützte seinen Rücken an der Wand und setzte sich auf dem Boden. Er hatte einen guten Platz gefunden.
-          Ihr seid richtige Satansbraten! Ich werde euch bei euerem Dad verpetzen!
-          Ist nicht wahr!
-          Neeein? Ihr werdet schon sehen! Max, höre auf!
-          Doch, doch! Zoë, halte sie fest! Sheila, hilf deiner Schwester!
-          Es gilt doch nicht! Drei gegen eine!
-          Wir sind aber nur Kinder, also ist es nicht wirklich drei gegen eine…nun, gibst du endlich auf?
-          Nie!...Max, ich bin sehr kitzlich, ich halte es nicht mehr aus!
-          Gib auf, gib auf!
-          Nein…ja, ja, es war genug! Ihr habt gewonnen.
-          Also, wie großes Märchen erzählst du uns?
-          Sooo rieeesig, es ist fast ein Meter lang. Ich kann die ganze Nacht erzählen. Eueren Dad trifft der Schlag, wenn er ankommt.
-          Dann setzt er auch hin und hört zu. Du hast ja versprochen, dass wir ein so großes Märchen bekommen, wie die Entfernung zwischen deinen ausgebreiteten Armen ist.
-          Weil ich daran nicht gedacht habe, dass ihr mich kitzeln werdet. In einem Buch habe ich von einer solchen Kitzelei geschrieben. Hm, in der Wirklichkeit ist es noch viel besser…Auch dann, wenn ich dadurch verloren habe… Nun, denn, dann soll das meterlange Märchen kommen. Max, hast du dir ausgedacht, wovon ich nun erzählen sollte?
-          Ja. Beginne bitte so…es war einmal, vor langer Zeit, es gab zwei kleine Nixen. Sie waren Geschwister. Ihre Mutti ist gestorben, deshalb waren sie sehr traurig. Nicht einmal ihr Dad konnte sie trösten. Sie haben beschlossen, auf das Festland hinauszusteigen, damit….von da an sollst du es fortsetzen. Ein Märchen mit Nixen haben wir sowieso noch nie gehört, nicht wahr, Mädels?
-          Nein, noch nicht. Es ist eine gute Idee, Brüderchen. Erzählst du es, Carmi?
-          Natürlich. Sehen wir denn, wie alt sind die Nixen, Max? Zählt es bei der Geschichte?
-          Ja. … Die sollen doppelt so alt sein, wie ich, also sechzehn.
-          Wenn du jetzt achteinhalb Jahre alt bist, dann sind sie siebzehn. Also, wie alt sollen sie sein?
-          Siebzehn.
-          Gut, dann wird es ein verliebtes Märchen werden. Es geht um zwei junge Damen, ja, da muss auch die Liebe vorkommen…Nun, kommt zu mir, Kids! Legt euch bequem hin! Sheila, komm’ in die Mitte, diese beiden Großen nehmen dir den Platz weg… gut so. Jetzt bitte ich euch jeweils um ein Küsschen, damit meine Fantasie losgeht.
-          Soll ich dir auch eins geben?
-          Zsori, du sollst dich freuen, überhaupt hier sein zu dürfen. Und sei nicht zu gierig!
-          Jawohl!
-          Dann geht es los ins Märchenland. Muss niemand auf die Toilette? Ich will nicht auf halbem Wege zurückkehren!... Gut, dann beginne ich… war einmal, vor langer Zeit, es gab zwei kleine Nixen. Die eine hieß Zoë, die andere Sheila.
-          Das gilt nicht!
-          Max, höre auf! Wenn du mal um ein Märchen von einem Jungen bittest, dann erzähle ich dir von einem kleinen Jungen mit einer Stupsnase, der Max heißt. Jetzt aber kommt ein Märchen mit Mädels. Du hast es ja ausgesucht. Also, ich erzähle weiter…
 
Carmi’ Stimme wurde weicher, langsamer, sie streichelte damit. Sie erzählte und nahm die Kinder mit. Mehrmals blieb sie stehen und schlug vor, sie sollte es aussuchen, wie sie das Märchen fortsetzen sollte. In welche Richtung sollten die Nixen weitergehen? Nach links befindet sich ein kleines Dorf, mit roten Ziegeln bedeckten Häuschen. In den Höfen rennen viele Kücken und Entchen herum. Die Luft ist voll Duft von frisch gehauenem Heu. Die Kirchglocken schlagen gerade Mittag. Nach rechts, oben am Berggipfel steht eine stolze Burg. Auf den Basteien flattern viele Flaggen herum, das Glockengeläut wird von einem Fanfarenklang erwidert. Der König reitet mit seinem Gefolge eben zum Tor hinein. Er kehrt mit seinen Söhnen soeben von einer Jagd zurück. Nun wollen wir daheim Mittag essen. … In welche Richtung sollen nun die Nixen weitergehen, nach links oder nach rechts? Nach einer kurzen Debatte wollten die Mädels nach rechts. Weil es von den neuen, kleinen Mitbewohnern vom Märchenland so beschlossen wurde…
        Brad saß auf dem Boden, schaute auf die Wand ihm gegenüber und versuchte es zu verstehen, wovon er sich so verzaubert fühlt. Er kam nicht dahinter. Er saß nun da und war nicht mehr traurig. Er hörte dem Märchen zu, ist mit ihnen ins Märchenland mitgegangen und sah die Geschichte wie einen Film vor seinen geistigen Augen. Als Carmi davon erzählte, dass sich die beiden Mädchen in ihrem Zimmer auf ihren ersten Ball vorbereiten und beim Haarekämmen von ihrer Mutti erzählen, wie gut es wäre, wenn sie jetzt bei ihnen sein könnte, hielt Brad es nicht länger aus. Er kniete sich hin und mit schaute mit verdrehtem Rücken zur Tür hinein. Was er gesehen hatte, davon drehte sich der Korridor mit ihm…
 
Carmi saß da, und schaute mit blinden Augen in irgendwo hin. Ihre beiden Hände streichelten unwillkürlich die Arme von Max und Zoë. Sheilas Kopf hat sie mit ihrem Kinn gestreichelt. Ab und zu hauchte sie in ihre blonden Locken auch ein Küsschen zu. Sie wusste jedoch nicht, was sie tat. Sie wusste es nicht, weil sie nicht im Zimmer war. Auch die Kinder waren weit, weit entfernt. Sie schmiegten sich an Carmi, ohne zu wissen, wo sie sind und was sie tun.
Es ist ja Vergeudung, eine riesige Vergeudung!
        Er hat sich das Märchen bis zum Schluss angehört. Dabei hat er immerzu auf die liebkosende Hände geschaut. Er brauchte nicht aufzupassen, um nicht entdeckt zu werden. Außer George war niemand im Zimmer. Er kniete, seine Knie taten ihm schon Weh, er bewegte sich aber nicht. Er schaute die langsam liebkosenden Hände an. Er speicherte. Er speicherte dieses Erlebnis.
 
Das Märchen ging zu Ende, die Kinder schliefen. Es wurde still. Carmi schüttelte sich und schaute mit traumgetrunkenen Augen um sich. Sie blickte auf die drei Köpfchen, dann schaute George an und nickte ihm bittend zu. George half dabei, die Kinder von Carmi abzuheben und ins Bett nebeneinander hinzulegen. Dann half er ihr auch, um aus dem Bett zu steigen, wobei sie vorsichtig einige Händchen und Füßchen beiseite legen musste. Sie gingen auf den Korridor. Brad hat sich schon hinter der angelehnten Tür des benachbarten Zimmers verdrückt.
-          Ich gehe zurück, denn ich habe Angst, dass einer der Kinder hinunterfällt. Ich schlafe bei ihnen. Wenn Brad kommt, sage ihm bitte, dass ich ihn morgen früh sprechen möchte. Ganz früh. Über den Kindern.
-          Okay. Wir müssen ihn tatsächlich sprechen. Meiner Meinung nach weiß er nicht, wie es um sie steht.
-          Er ist zu nahe. Von dort mag es nicht einfach sein.
-          Carmi, du willst bei ihnen bleiben, nicht wahr?
-          Nun, nach alledem kann ich nicht einfach locker davonspazieren. Es geht nicht.
-          Ich verstehe dich. Wenn jemand, dann du kannst wirklich helfen.
-          Wenn Brad zustimmt, dann bleibst du auch mit uns und hilfst du mit, George? Es wäre gut.
-          Ich bleibe. Langsam beginnt mir dieses Dadspiel gefallen. Außerdem … werde ich ja auch durch eigennützige Absichten geführt. Vielleicht überlegst du es anders, und wir können damit beginnen, selbst Kinder zu machen.
-          Ein Haus voll?
-          Na klar!
-          Hege keine Hoffnungen, Zsori, nicht einmal aus Spaß!
-          … Okay, dann helfe ich dir wegen den Märchen. Ich könnte wetten, mir würdest du keine solchen Märchen erzählen, wenn wir alleine wären.
-          Du bist schon ein großer Bube, und brauchst meine Märchen nicht.
-          Wie du dich irrst! Ich bleibe nur, wenn ich deine Märchen auch anhören darf.
-          Von mir aus kannst du sie auch verlegen.
-          Woher hast du es nur…
-          Ich weiß es nicht. Wenn jemand es aus mir hervorlockt, dann kommt es heraus. Es mag eine ähnliche Sache, wie das Lampenreiben beim Aladin sein. Von den Kids wurde an meiner Lampe gerieben….Nun, ich gehe zurück. Würdest du mich, sagen wir, gegen sechs wecken? Bis die Kinder aufwachen, müssen wir eine Vereinbarung treffen. So oder so, aber die Kinder darf man nicht hinhalten. Wecke mich aber nur dann, wenn ihr Dad da ist. Wenn er nicht kommt, dann lasse mich bitte schlafen! Gut? Ich bin geschafft. Aber total.
-          Es wundert mich nicht. Ich hätte schon zweimal aufgegeben.
-          Blödsinn! Wenn man durchhalten muss, dann hält man eben durch. Gute Nacht!
 
Brad kam aus dem benachbarten Zimmer heraus, George und er schauten sich an, dann gingen sie leise die Treppe hinunter. Sie setzten sich in der Stube hin. Alkohol mochten sie nicht. Sie saßen schweigsam da.
-          So etwas habe ich noch nie gesehen!
-          Und du hast nur den Abschluss des Tages gesehen. Der ganze Tag war so, der ganze Tag…
-          Unglaublich! …Wovon sprach sie vorhin? Warum will sie mich morgen früh treffen?
-          Brad, den Kindern geht es nicht gut. Am Nachmittag sind sie mehrfach bis zu ihrer Grenze gekommen und waren nahe daran, zu weinen. Abwechselnd. Ich glaube, daran ist Carmi schuld. Es war alles so prima. Am Vormittag war davon noch nicht zu spüren. Es war ein verrückter Vormittag! Ich habe so viel gelacht, dass meine Stimme weggegangen ist. Ich musste ständig meinen Hals räuspern. Dann, nach dem Blubber-Wettbewerb…
-          Wonach bitte?
-          Es würde jetzt zu lange dauern. Die Kids erzählen es dir morgen sowieso. Wenn ich jetzt mit dem Berichten beginne, dann werde ich bis morgen früh nicht fertig! … Nach dem Wettbewerb sind wir zum Ufer zurückgegangen und dann begann es.
-          Was denn?
-          Max begann damit. Dass er nicht nach Hause gehen will und ob er hier bleiben dürfte? Da haben die Mädchen auch eingestimmt. Wir haben gesagt, dass es nicht von uns abhängt, wir würden es aber gerne tun.
-          Sie wollen nicht nach Hause kommen?
-          Nein. Sheila fing sogar an zu weinen. Sie hat sich an Carmi gedrückt, so unglücklich, es war traurig sie so zu sehen. Carmi hat zwar diese traurige Stimmung jedes Mal aufgelöst, diese kam aber immer und immer wieder. Nicht so stark, wie anfangs, aber immerhin...
-          Was haben sie denn gesagt?
-          Pass auf! Vertiefen wir uns jetzt nicht darin. Ich bin müde. Gehen wir jetzt schlafen. Am morgen wecke ich dich dann. Ich gebe dir einige saubere Sachen. Versuch’ doch auch zu schlafen.
-          Ich glaube nicht, dass es gehen wird.
-          Wegen Angie?
-          Zum Teil. Was du jedoch eben gesagt hast, trägt aber auch nicht zum ruhigen Schlaf bei.
-          Verzeih!
-          Nun höre mal auf! Danke, dass du geholfen hast.
-          Ich habe doch nichts getan. Ich habe nur zugeschaut. Diesen Tag werde ich nie wieder vergessen!
-          Du hast die Frau doch nicht etwa erobert?
-          Brad, du bist wieder mal falsch, du musst es doch selbst spüren. Schön, dass du nicht gleich damit angefangen hast, ob es mir gelungen ist, sie zu bumsen? Es wäre gut, wenn du damit endlich aufhören könntest. Wenn ich beim Bumsen Hilfe brauche, dann sage ich dir schon bescheid. Bis dahin können wir dieses Geschwätz über „wessen Schwanz ist denn größer?" sein lassen! Wir sind lächerlich… Geh’ lieber schlafen!
-          Entschuldige, ich bin tatsächlich ein Rindvieh.
-          Ja, du bist es. Ich wecke dich morgen früh, ruhe dich ein wenig aus!
 
Brad legte sich hin, konnte sich aber nicht ausruhen. Überhaupt nicht. Er schämte sich. Er schämte sich dafür, dass er den Auftrag, sich wie ein Rüpel aufzuführen, angenommen hatte. Auch dann, wenn es nicht soweit gekommen ist. Nach alledem könnte er es auch nie tun. Er schämte sich, dass er dort vom Korridor her gelauscht und zugeschaut hat, anstatt an diesem Abend mit teilzunehmen. Und er schämte sich, weil er das sagte. Diese Unappetitlichkeit mit dem Bumsen. Er sah die beiden streichelnden Hände von Carmi vor sich und hörte seine eigene, kriecherische Anmerkung. Gleichzeitig. Sogar sein Magen hat sich deswegen umgedreht. Er wusste, warum er es gesagt hatte. Er wollte dem in seinen Magen greifenden Mangel etwas entgegensetzen. Deshalb hat er sich noch geschämt. Sehr sogar. Es war eine Nacht voller Scham. Sie verging mächtig langsam.
 
Früh um viertel nach sechs saßen Brad und George in der Stube und warteten. Carmi hat sich verspätet. Sie saßen schweigend da. Dann ist Carmi oben auf der Treppe erschienen, schaute auf sie herab und sie sind beide aufgesprungen. Gleichzeitig, wie die Gentlemans in einem Roman aus dem 18. Jahrhundert. Carmi lachte auf und winkte, wie die englische Königin, dass die Herren sich setzen mögen. Dann fasste sie die beiden Enden ihrer Hülle, als hätte sie einen bereiften Rock an und schritt die Treppe hinunter. Sie schritt. Sie schwebte beinahe. Barfuss. Und grinste dabei. Dann, bei ihnen angekommen war das Grinsen von ihrem Gesicht weggewischt. Sie gab George zwei Küsschen, sie nahm jedoch Brad's ausgestreckte Hand nicht. Sie schritt zurück. Nur ein wenig, dennoch. Sie ging in die Küchenecke, setzte Wasser auf und fragte, ob sie auch Tee möchten. Sie wollten nicht. Dann ging sie zurück zu ihnen und setzte sich auf die Couch und wartete. Die beiden Männer setzten sich ebenfalls.
-          Entschuldigt mich für die Verspätung. Sheila ist aufgewacht, als ich geduscht habe. Ich musste ihren Kopf streicheln, damit sie wieder einschläft…. Brad, ich wollte dich nicht beleidigen, verzeih’ mir, ich möchte keinerlei körperliche Berührungen. So ist es besser. Wir sollten die Wirklichkeit mit dem Traum nicht vermischen. Vom weiten ist es sicherer.
-          Was für ein Traum? Ich verstehe nicht, von was für einem Traum du…
-          Brad, schummele nicht! Es gibt einen Grund dafür, dass die Kinder hier sind. Und wie wir alle drei wissen, hängt es nicht mit der Verringerung der Personalstärke zusammen….Du bist gebeten worden, mit den Kindern zusammen hier anzutreten. Damit es auch ein Alibi gibt.... Schaut nicht so blöd herein! Meine Logik funktioniert auch im tatsächlichen Leben.
-          Ich hätte mir denken können, dass du dahinter kommst. Ich habe sie gerufen, weil…
-          Ich bin dahinter gekommen. Es hat zwar etwas gedauert, aber ich bin dahinter gekommen. Deshalb habe ich dir gestern Abend gesagt, dass du nicht umsonst hoffen solltest, Zsori! Und zwischen uns, Brad, wird aus diesem Grunde keinerlei Nähe geben. Entweder weißt du es von Zsori, wer ich bin, oder deine Freunde haben mich bekrittelt, oder deine Frau ist darüber, was ich geschrieben habe, eingeschnappt, eventuell hast du einige Zeilen von der Reihe Neigen & Biegen gelesen … es ist vollkommen gleich. Du weißt wie es steht, das ist die Hauptsache. Deshalb wird es keinerlei Nähe geben. Weder körperlich noch sonst wie. Nicht einmal ein Händedruck. Du bist ein Schauspieler und ich bin eine Schriftstellerin, die sich durch einen gemeinsamen Freund kennen gelernt hat. Zwischen uns gibt es jedoch eine Entfernung. Nur soviel. Verstehst du mich?
-          Nein. Aber ich akzeptiere es.
-          Gut, weil ich nur unter diesen Bedingungen helfen kann. Ich weiß bereits von George, dass er dir gestern Abend schon kurz skizziert hat, weshalb ich dich sprechen will. Hast du vielleicht Fragen?
-          Ja. Warum würdest du überhaupt helfen?
-          Mit dem Schritt, dass du die Kleinen hierher gebracht hast, wurde ich, gegen meinen Willen, in ihr Leben mit eingebunden. Sie sind für mich keine Fremden mehr. Und ich sehe, dass es übel um sie steht. Ich habe es auch schon von weitem gesehen, dass es Probleme gibt. Jedoch weit ist weit, und nahe ist nahe. Ich bin jetzt nahe, und mein Herz sagt mir, sehr nahe sogar. Ich weiß, dass ich helfen kann. Ich habe guten Sinn für Kinder. Vielleicht glaubst du es nicht, es ist jedoch so.
-          Ich glaube es…. Am Abend habe ich heimlich zugeschaut.
-          Warst du während des Erzählens schon da?
-          Ja. Auf dem Korridor.
-          Warum bist du nicht hineingekommen?
-          Ich weiß es nicht. Lassen wir es. Ich habe gesehen, was ich sehen musste. Falls du helfen kannst, dann hilf bitte! Ich wollte gerade aufgeben.
-          Gut. Dann haben wir es besprochen. Einige praktische Fragen. Wann kommt deine Frau wieder nach Hause?
-          Ich weiß es nicht. Es kann daraus auch ein Monat werden. Nach ihrem Arzt. Nach Angies Meinung sind es bloß einige Tage. Ich denke, der Doc wird Recht behalten.
-          Ich gehe davon aus, dass die gewohnte Umgebung für die Kinder viel günstiger wäre. Wird es daraus keine Probleme geben, wenn ich dorthin mitgehe? Presse und andere? Klatsch und Tratsch. Kein Problem?
-          Ich habe keine Ahnung. Es interessiert mich auch nicht. Mich interessieren nur die Kids.
-          Wie du weißt, würde auch George mitkommen. Seine Hilfe ist mir willkommen. Auch gestern hat er viel beigetragen. Und wegen den Klatschgeschichten wäre es äußerst dienlich, wenn er da wäre, als eine Gardedame.
-          Ich bin dafür. Zu dritt. Die drei „Musketiere”.
-          Ja, mit leichter Übertreibung, stimmt es … Noch etwas, die Kinder haben von Erzieherinnen und sonstigem Personal erzählt. Schicke sie weg. Sagen wir zu einem Monat unbezahlten Urlaub. Wenn ich die Kinder betreue, dann nur alleine. Ich möchte mit niemanden darüber debattieren, was ich wann warum tue. Ich möchte auch nicht, wenn mich den ganzen Tag Fremde anglotzen würden. Ich will nicht, dass da tagein, tagaus gleich welche „Nachrichten” aus dem Hause getragen werden. Meine Freizeit schenke ich den Kindern, aber mein Privatleben schenke ich der Welt nicht.
-          Du hast Recht. Bis wir dort ankommen, sind sie nicht mehr da.
-          Habt Ihr denn auch eine Köchin? Ich denke, ja … Entschuldige, das Wasser kocht gerade. Ich bin sofort zurück … Also habt ihr?
-          Ja, wir haben. Sie heißt jedoch nicht Maria.
-          Ein Glück. Es fehlte nur noch eine weitere Ersatzmutti. Ich habe zu Hause eine richtige Ersatzmutti, ich brauche keine zweite, nur so als Schmuck…Du weißt also nicht nur von George über mich, sondern du hast auch die Bücher gelesen. Es freut mich nicht… Nun, egal, es ist die Tatsache. Zurück zur Köchin. Ihre Hilfe ist unerlässlich. es geht nicht, für sechs Leute kochen und gleichzeitig drei Kinder zu behüten. Soviel Praxis habe ich in dieser Sache noch nicht. Ich habe überhaupt keine Übung darin. Ich habe bloß meine Instinkte. Es wäre gut, wenn die Köchin bleiben würde. Täglich ein warmes Essen, nur soviel sollte gesichert werden, dann kann sie nach Hause gehen. Wird sie denn einwilligen?
-          Selbstverständlich.
-          Und hältst du sie für zuverlässig? Ist sie von Natur aus so … mütterlich?
-          Margarita? Ja, ich denke schon.
-          Gut. Auf die Schnelle ist mir nur soviel eingefallen. Passt jetzt auf, ich nehme jetzt meinen Tee und gehe hinunter zum Ufer. Ich möchte ein wenig alleine bleiben. Eine ganze Weile werde ich nicht mehr dazu kommen, deshalb will ich die Gelegenheit nutzen. Inzwischen könnt ihr euch über den Plan unterhalten. Vielleicht fällt euch noch etwas Wichtiges ein. Und Brad, heute solltest du die Kids wecken. Sie werden sich riesig freuen. Wenn du ihnen erzählst, was soeben beschlossen wurde, auch darüber. Sie sollen es von dir erfahren. Solltet ihr mich brauchen, dann ruft mich einfach.
-          Ich gehe hinunter und sage dir Bescheid.
-          Komme nicht, Brad. Es reicht, wenn ihr mich ruft. Entfernung, vergiss es nicht! Ich bin schon weg.
 
-          Die beiden Männer sahen zu, wie Carmi in ihrer fliegenden weißen Hülle vorsichtig die Terrassentreppen hinuntersteigt. In ihren Händen balancierte sie die bis oben hin gefüllte Teetasse.
-          Wie lange hat es gedauert, George? Fünf Minuten?
-          Etwas mehr. Es ist aber passiert.
-          Ja, es ist passiert. Uns hat’s erwischt!
 
 

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Budapest

(Schmidt Ilona, 2010.10.02 22:26)

Nagyon tetszett a német részlet. Kapható már könyv formájában is? Ha igen, hol lehet megvenni?

imo480723@freemail.hu

(Krimild, 2010.09.25 22:06)

Kedves Cita! Nagyon klassznak találom, hogy a honlapodon német nyelven is szerepel egy részlet a könyvedből. Hajrá, haladj ezerrel a világhír felé!!!